Das Wichtigste in Kürze
Der Versicherer übernimmt das Amtsarzt-Votum ohne eigene Prüfung. Du wirst dienstunfähig → Versicherung zahlt. Punkt.
Versicherer behält eigenes Prüfungsrecht vor. Trotz Dienstunfähigkeit kann die Rente verweigert werden.
Laut Franke & Bornberg (2025) bieten nur 12 Versicherer eine spezielle DU-Klausel für den Polizeivollzugsdienst an.
Allianz, DBV und Signal Iduna bei allgemeiner und spezieller DU-Klausel für Polizisten (Franke & Bornberg).
Gewerkschaftliche Zusatzversicherungen sind meist Unfallversicherungen – bei krankheitsbedingter DU leisten sie nicht.
Die echte Dienstunfähigkeitsklausel (DU-Klausel) ist eine Vertragsklausel in der Berufsunfähigkeitsversicherung, die den Versicherer verpflichtet, bei amtsärztlich festgestellter Dienstunfähigkeit automatisch und ohne eigene Nachprüfung zu leisten. Sie gilt als Gold-Standard für die Absicherung von Beamten und ist klar von der unechten DU-Klausel zu unterscheiden, bei der der Versicherer ein eigenes Prüfungsrecht behält. Für Polizisten im Vollzugsdienst existiert darüber hinaus die spezielle DU-Klausel, die auch die besondere Polizeidienstunfähigkeit erfasst.
Was ist eine echte Dienstunfähigkeitsklausel?
Bei einer echten Dienstunfähigkeitsklausel schließt sich der private Versicherer der Entscheidung des Dienstherrn – also dem Votum des Amtsarztes – vollumfänglich an. Das bedeutet: Stellt der Amtsarzt fest, dass du dienstunfähig bist und wirst du in den Ruhestand versetzt oder aus dem Dienst entlassen, dann zahlt die Versicherung automatisch. Der Versicherer verzichtet auf eine eigene medizinische Prüfung.
Das klingt selbstverständlich – ist es aber nicht. Denn es gibt verschiedene Klausel-Typen, und die Unterschiede können im Ernstfall über Tausende Euro pro Monat entscheiden.
Worauf achten?
Die echte DU-Klausel muss beide Fälle abdecken: sowohl die Versetzung in den Ruhestand (bei Lebenszeitbeamten) als auch die Entlassung wegen Dienstunfähigkeit (bei Beamten auf Probe oder Widerruf). Prüfe deinen Vertrag genau auf diese Formulierung.
Die 4 DU-Klausel-Typen im Vergleich
In der Praxis gibt es vier verschiedene Typen von Dienstunfähigkeitsklauseln. Die Unterschiede sind erheblich – und leider werben viele Versicherer mit „DU-Klausel“, obwohl sie gar keine echte anbieten.
Klausel-Typ | Funktionsweise | Risiko für Polizisten | Beispiel-Anbieter |
Echte DU-Klausel | Versicherer übernimmt das Amtsarzt-Votum ohne eigene Prüfung. | Keins | Allianz, DBV, Signal Iduna |
Fast echte DU-Klausel | Versicherer leistet nur, wenn DU ausschließlich aus medizinischen Gründen erfolgte. Bei organisatorischen Gründen: keine Leistung. | Mittel – z.B. Prüfung bei Disziplinarverfahren | HUK-Coburg, Condor, R+V, Debeka |
Unechte DU-Klausel | Versicherer prüft selbst nach eigenen Kriterien (meist 50 % BU). Amtsarzt-Votum ist nicht bindend. | Hoch – doppelte Hürde, Leistungsverweigerung wahrscheinlich | Nürnberger (§ 2 Abs. 8) |
Keine DU-Klausel | Versicherer prüft selbst nach eigenem 50%-BU-Maßstab | Sehr Hoch – Leistung nur bei Berufsunfähigkeit | ERGO, WWK, LVM, Württembergische |
Warum ist die echte DU-Klausel für Polizisten so wichtig?
Als Polizist hast du ein überdurchschnittlich hohes Risiko, dienstunfähig zu werden. Und hier liegt das Problem: Der Staat kann dich in den Ruhestand versetzen – aber dein privater Versicherer kommt durch eigene Gutachter vielleicht nur auf eine Berufsunfähigkeit von 40 %. Die Folge bei einer unechten DU-Klausel: Du verlierst dein volles Gehalt, erhältst zwar ein Ruhegehalt vom Staat – aber keine private Rente.
Mit einer echten DU-Klausel ist das ausgeschlossen. Wenn der Amtsarzt sagt „dienstunfähig“, dann zahlt die Versicherung. Punkt.
Praxisbeispiel: Wenn die Klausel den Unterschied macht
Stell dir vor: Ein Polizeibeamter wird wegen einer chronischen Rückenerkrankung vom Amtsarzt für dienstunfähig erklärt und in den Ruhestand versetzt. Der Versicherer-Gutachter sieht das anders und attestiert nur 40 % Berufsunfähigkeit – unter der üblichen 50-%-Schwelle. Mit einer echten DU-Klausel zahlt die Versicherung trotzdem, weil das Amtsarzt-Votum bindend ist. Mit einer unechten Klausel geht der Beamte leer aus – trotz Dienstunfähigkeit.
Die fast echte DU-Klausel – eine gefährliche Grauzone
Die fast echte (oder „eingeschränkt echte“) Dienstunfähigkeitsklausel klingt auf den ersten Blick gut – ist aber eine Zwischenform, die den Leistungsanspruch an eine entscheidende Bedingung knüpft: Der Versicherer leistet nur dann automatisch, wenn deine Dienstunfähigkeit ausschließlich aus gesundheitlichen oder medizinischen Gründen erfolgt ist.
Das Problem: Neben den medizinischen Gründen können auch organisatorische oder dienstrechtliche Gründe zur Versetzung in den Ruhestand führen. Liegen neben den gesundheitlichen auch andere Gründe vor, kann der Versicherer die Zahlung verweigern.
Ergebnis: Du wirst vom Dienstherrn als dienstunfähig entlassen – aber die Versicherung zahlt trotzdem nicht. Deshalb gilt: Finger weg von der fast echten DU-Klausel, wenn eine echte verfügbar ist.
Die unechte DU-Klausel – Marketing statt Schutz
Viele Versicherer werben mit „DU-Klausel“ – und meinen damit eine Formulierung, die sich ungefähr so liest: „Wir leisten auch bei Dienstunfähigkeit.“ Klingt gut, oder? Das Problem ist das kleine Wörtchen „auch“. Denn der Versicherer prüft trotzdem selbst, ob du nach seinen Maßstäben berufsunfähig bist – und die liegen in der Regel bei mindestens 50 % Berufsunfähigkeit.
Du erkennst die unechte Klausel oft an der Formulierung: Versetzung in den Ruhestand und medizinisch nachgewiesene Berufsunfähigkeit. Diese Verknüpfung mit „und“ ist das Warnsignal.
Bei Anbietern wie der Württembergischen, WWK, LVM oder ERGO (teilweise eingeschränkt) findest du solche Klauseln. Sie bieten keinen automatischen Schutz bei einer behördlichen Dienstunfähigkeitsfeststellung. Achtung: Die Nürnberger verwendet in § 2 Abs. 8 zwar das Wort „ausschließlich“ (fast echte Kategorie), hat aber eine zusätzliche konkrete Verweisung eingebaut – das macht sie für Polizisten in der Praxis ähnlich riskant.
Die spezielle DU-Klausel – unverzichtbar für den Polizeivollzugsdienst
Das ist der Punkt, an dem es für Polizisten besonders wichtig wird. Die spezielle Dienstunfähigkeitsklausel (auch Polizeivollzugsklausel genannt) berücksichtigt eine Besonderheit: Als Polizist im Vollzugsdienst kannst du schon dann als polizeidienstunfähig gelten, wenn du die besonderen körperlichen und psychischen Anforderungen des Vollzugsdienstes nicht mehr erfüllst – selbst wenn du nach allgemeinen Maßstäben noch arbeitsfähig wärst.
Ein Beispiel: Ein Polizist wird nach einer Fingerverletzung in den Ruhestand versetzt, weil er seine Dienstwaffe nicht mehr sicher bedienen kann. Nach Maßstäben der allgemeinen Berufsunfähigkeit könnte er aber noch im Innendienst arbeiten. Ohne spezielle DU-Klausel würde die Versicherung nicht zahlen – mit spezieller Klausel schon.
Worauf du bei der speziellen DU-Klausel achten musst
- Leistungsdauer bei Entlassung: Für entlassene Beamte auf Probe oder Widerruf ist die Rentenzahlung bei der speziellen DU oft zeitlich befristet – typisch sind 36 bis 72 Monate. Danach prüft der Versicherer nach den Kriterien der allgemeinen Berufsunfähigkeit – weil der Beamtenstatus nach Entlassung wegfällt und keine amtsärztliche DU-Feststellung mehr möglich ist. Eine möglichst lange garantierte Leistungszusage (bis zu 72 Monate) ist deshalb entscheidend.
- Wer sie braucht: Alle Polizeivollzugsbeamten, unabhängig ob Anwärter, auf Probe oder auf Lebenszeit.
Testsieger 2025: Welche Versicherer bieten die beste DU-Klausel?
Das Analysehaus Franke & Bornberg hat in seinem „Klausel-Klartext“ die Versicherungsbedingungen extrem detailliert geprüft. Von allen getesteten Anbietern bieten lediglich 12 Anbieter eine spezielle DU-Klausel für den Polizeivollzugsdienst, 9 Anbieter für den feuerwehrtechnischen Dienst und 9 Anbieter für den Justizvollzugsdienst an.
Kategorie | Testsieger 2025 |
Allgemeine DU-Klausel | Allianz, DBV, Signal Iduna |
Spezielle DU für Polizisten | Allianz, DBV, Signal Iduna |
Spezielle DU für Feuerwehr | DBV, Signal Iduna |
Spezielle DU für Justizvollzug | DBV |
Leistungsdauer bei den Top-Anbietern
Versicherer | Spezielle DU bei Entlassung (Anwärter) | Lebenszeitbeamte | Besonderheit |
Allianz | Bis zu 72 Monate | Dauerhaft | Bei Dienstunfall/Dienstbeschädigung: zeitlich unbegrenzte Leistung |
DBV (AXA) | 72 Monate (Anwärter) | Dauerhaft | Keine abstrakte Verweisung; für BaL auch keine konkrete Verweisung |
Signal Iduna | 72 Monate | Dauerhaft | – |
Die Bayerische | 72 Monate | Dauerhaft | – |
Wichtig für Dienstanfänger
Das Analysehaus Franke & Bornberg warnt: Entlassene Beamte auf Widerruf oder Probe erhalten keine fortlaufenden Bezüge vom Staat. Deshalb ist bei der speziellen DU eine möglichst lange garantierte Leistungszusage (idealerweise bis zu 72 Monate) überlebenswichtig, bevor der Versicherer das Recht erhält, eine eigene Nachprüfung anzustellen.
Allianz und DBV im Detail: Was die AVB wirklich sagen
Wer wirklich verstehen will, warum Allianz und DBV regelmäßig als Testsieger abschneiden, muss einen Blick in die Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) werfen. Dort stehen die Regelungen, auf die es im Ernstfall ankommt.
Allianz: Die wichtigsten AVB-Details
Die Allianz DU-Versicherung zeichnet sich durch mehrere Besonderheiten aus, die in den Bedingungen oft nur von Experten erkannt werden:
- Kein Prognosezeitraum bei DU: Für die Berufsunfähigkeit gilt ein 6-monatiger Prognosezeitraum. Für die Dienstunfähigkeit gibt es diesen jedoch nicht. Die Allianz hält sich direkt an die DU-Bescheinigung des Dienstherrn. Das bedeutet: Schnellere Leistung ohne zeitraubende ärztliche Prognose.
- Infektionsschutzklausel ohne Mehrpreis: Wenn die Gesundheitsbehörde nach §31 Bundesinfektionsschutzgesetz ein vollständiges Tätigkeitsverbot ausspricht und du dadurch voraussichtlich mindestens 6 Monate nicht arbeiten kannst, zahlt die Allianz – ohne Extra-Beitrag.
- Dienstunfall-Ausnahme bei Anwärtern: Während die Rentenzahlung bei entlassenen Anwärtern (BaW/BaP) bei spezieller Polizeidienstunfähigkeit grundsätzlich auf maximal 72 Monate befristet ist, entfällt diese Befristung vollständig, wenn die Dienstunfähigkeit aus einem Dienstunfall (§31 Beamtenversorgungsgesetz) oder einer Dienstbeschädigung resultiert – und solange ein staatlicher Unterhaltsbeitrag oder Unfallruhegehalt bezogen wird. In diesem Fall leistet die Allianz zeitlich unbegrenzt.
- Lebenszeitbeamte ohne Verweisungsprüfung: Wird ein verbeamteter Polizist wegen spezieller Dienstunfähigkeit in den Ruhestand versetzt, zahlt die Allianz weiter – unerheblich davon, ob er noch eine andere Tätigkeit ausübt.
- Nachversicherungsgarantien: Die DU-Rente kann ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöht werden – innerhalb von 12 Monaten nach bestimmten Ereignissen (Besoldungserhöhung durch Beförderung, Ernennung zum BaP/BaL, Heirat, Scheidung, Geburt eines Kindes, Immobiliendarlehen ab 100.000 EUR, Ausscheiden aus dem Öffentlichen Dienst). In den ersten 5 Vertragsjahren ist sogar eine anlassunabhängige Erhöhung möglich.
- Beitragsstundung bis 24 Monate: Für junge Beamte besonders wertvoll: Die Allianz ermöglicht eine anlasslose, zinslose Beitragsstundung für bis zu 24 Monate am Stück – ideal bei vorübergehenden finanziellen Engpässen in der Ausbildung oder auf Probe.
- Unterstützung im Leistungsfall: Bei Eintritt der Dienstunfähigkeit besteht ein verbindlicher Anspruch auf Wiedereingliederungshilfe und Umorganisationshilfe.
DBV (AXA): Spezialist für Beamte und Dienstanfänger
Die Deutsche Beamtenversicherung (DBV) gehört zur AXA-Gruppe und ist einer der wenigen Versicherer, der seinen Fokus vollständig auf Beamte ausgerichtet hat. Das spiegelt sich in den Konditionen für Dienstanfänger wider:
- Die Lücke für Anwärter: Beamte auf Widerruf oder Probe erhalten im Fall einer Dienstunfähigkeit vom Staat 0 Euro. Die DBV schließt diese Lücke mit einer echten, vollständigen DU-Klausel – kombiniert mit der speziellen Polizei-DU.
- Günstige Einstufung in Gefahrengruppe A: Dienstanfänger in Sicherheitsberufen (Polizei, Feuerwehr) werden von der DBV in die günstige „Gefahrengruppe A“ eingestuft – das senkt den Beitrag spürbar.
- Rentenhöhe bis 3.000 EUR/Monat: In der aktuellen DAP-Variante können sich Dienstanfänger mit bis zu 3.000 EUR Monatsrente absichern (Checkliste-Variante: bis 2.500 EUR).
- Kein Verweisungsrecht: Die DBV verzichtet vollständig auf die abstrakte Verweisung. Für Beamte auf Lebenszeit wird zusätzlich auf die konkrete Verweisung verzichtet – ein Merkmal, das selbst viele Premium-Tarife nicht bieten.
- Teildienstunfähigkeit ab 20 %: Bereits wenn die Arbeitszeit medizinisch um mindestens 20 % gekürzt werden muss, kann die DBV anteilig leisten.
Tipp: Früh abschließen zahlt sich doppelt aus
Wer als Polizeianwärter (BaW) eine DU-Versicherung abschließt, profitiert von niedrigen Einstiegsbeiträgen und sichert sich die Gesundheitsangaben von heute. Im Leistungsfall – ob nach einem Dienstunfall oder einer schleichenden Erkrankung – entscheidet die Qualität der Klausel. Mit echter DU-Klausel und Dienstunfall-Ausnahme (Allianz) oder ohne Verweisungsrecht (DBV) bist du optimal abgesichert.
Die 5 häufigsten Fehler beim Abschluss einer DU-Versicherung
In meiner Beratungspraxis sehe ich immer wieder dieselben Fehler – und sie können im Ernstfall teuer werden. Das sind die fünf gravierendsten:
Fehler 1: Normale BU statt DU-Klausel gewählt
Eine klassische Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt oft erst bei einer dauerhaften gesundheitlichen Einschränkung von 50 % – und prüft das selbst mit eigenen Gutachtern. Polizisten brauchen zwingend eine DU-Klausel, damit die Versicherung die Entscheidung des Amtsarztes direkt anerkennt, ohne eigene Nachprüfung.
Fehler 2: Allgemeine statt spezielle DU-Klausel gewählt
Als Polizist im Vollzugsdienst kannst du polizeidienstunfähig sein – zum Beispiel weil du keine Schusswaffe mehr tragen kannst – und trotzdem theoretisch noch im Büro oder Innendienst arbeiten. Fehlt die spezielle Polizeivollzugsklausel, zahlt der Versicherer in solchen Fällen nicht. Eine allgemeine DU-Klausel reicht nicht aus.
Fehler 3: Zu geringe Rente versichert
Oft wird aus Kostengründen eine Rente von z. B. 600 EUR gewählt. Das klingt nach etwas – ist aber ein Problem: Als Anwärter (BaW/BaP) erhält man bei Entlassung vom Staat 0 EUR. 600 EUR liegen damit unter der Grenze der staatlichen Grundsicherung (Bürgergeld) und werden voll angerechnet. Das bedeutet: Der Beitrag war völlig umsonst. Faustregel: Mindestens 1.000–1.500 EUR netto absichern.
Fehler 4: Irrglaube an die Gewerkschaft (GdP, DPolG)
Viele Anwärter glauben, sie seien über den Beitritt in die Gewerkschaft – z. B. GdP oder DPolG – automatisch gegen Dienstunfähigkeit abgesichert. Das stimmt so nicht. Bei solchen Angeboten handelt es sich meist um eine Unfallversicherung, die lediglich bei unfallbedingter vollständiger Invalidität eine Einmalzahlung (z. B. 10.000 EUR) leistet. Bei krankheitsbedingter Dienstunfähigkeit – dem mit Abstand häufigsten Leistungsfall – zahlt die Gewerkschafts-Police gar nichts.
Fehler 5: Zu spät abgeschlossen
Der Abschluss wird oft auf die Zukunft verschoben: „Ich bin ja noch jung und unverwundbar.“ Das Problem: Versicherer fragen Gesundheitsfragen teils bis zu 10 Jahre rückwirkend. Vorerkrankungen, erste Verschleißerscheinungen oder psychische Beschwerden, die in der Ausbildung auftreten, führen unweigerlich zu Risikozuschlägen, Leistungsausschlüssen oder gar zur kompletten Ablehnung. Wer jung und gesund in der Ausbildung ist, sollte genau dann abschließen – und nicht warten.
Achtung: Gewerkschafts-Unfallschutz ≠ DU-Versicherung
GdP, DPolG und ähnliche Angebote leisten bei krankheitsbedingter Dienstunfähigkeit in der Regel gar nicht. Wer glaubt, durch den Gewerkschaftsbeitrag abgesichert zu sein, hat eine gefährliche Lücke in seiner Absicherung. Lass dir das schriftlich bestätigen – und schließe eine echte DU-Versicherung ab.
Meine Erfahrung als Ex-Polizist und Berater
In meiner Zeit als Polizeibeamter habe ich gesehen, wie schnell es gehen kann: Ein Kollege, der heute noch im Streifendienst unterwegs ist, sitzt morgen beim Amtsarzt. Psychische Belastungen, Verletzungen im Einsatz, chronische Erkrankungen – die Gründe sind vielfältig. Was mich damals überrascht hat: Viele Kollegen hatten zwar eine Berufsunfähigkeitsversicherung – aber keine echte DU-Klausel.
Seit 2019 berate ich als Teil des Teams der Finanzwache Polizisten zu genau diesem Thema. In über sechs Jahren Beratung habe ich immer wieder erlebt, wie der Unterschied zwischen echter und unechter DU-Klausel im Ernstfall den finanziellen Ruin bedeuten kann – oder eben nicht. Mein dringender Rat: Lass dir deinen Vertrag von einem Experten prüfen, der die Unterschiede kennt. Es lohnt sich.
Häufig gestellte Fragen zur echten DU-Klausel
Was ist der Unterschied zwischen echter und unechter DU-Klausel?
Bei einer echten DU-Klausel übernimmt der Versicherer das Votum des Amtsarztes ohne eigene Prüfung – wenn der Amtsarzt Dienstunfähigkeit feststellt, wird geleistet. Bei einer unechten DU-Klausel prüft der Versicherer selbst nach seinen eigenen Kriterien (in der Regel mindestens 50 % Berufsunfähigkeit), ob er leisten muss. Das kann dazu führen, dass du trotz amtsärztlich festgestellter Dienstunfähigkeit keine Rente erhältst.
Brauche ich als Polizist eine spezielle DU-Klausel?
Ja, wenn du im Vollzugsdienst tätig bist, ist die spezielle DU-Klausel (Polizeivollzugsklausel) dringend empfohlen. Sie deckt die besondere Polizeidienstunfähigkeit ab – also Fälle, in denen du zwar nach allgemeinen Maßstäben noch arbeitsfähig wärst, aber die besonderen Anforderungen des Polizeivollzugsdienstes nicht mehr erfüllen kannst.
Welche Versicherer bieten die beste echte DU-Klausel für Polizisten?
Laut Franke & Bornberg (Stand 2025) sind die Testsieger bei der allgemeinen und speziellen DU-Klausel für Polizisten: Allianz, DBV und Signal Iduna. Die Bayerische bietet ebenfalls eine starke spezielle DU-Klausel mit bis zu 72 Monaten Leistungsdauer bei Entlassung.
Woran erkenne ich eine unechte DU-Klausel?
Achte auf die Formulierung: Wenn im Vertrag steht, dass du in den Ruhestand versetzt werden musst und eine medizinisch nachgewiesene Berufsunfähigkeit vorliegen muss, handelt es sich um eine unechte DU-Klausel. Das „und“ ist das entscheidende Warnsignal. Bei einer echten Klausel reicht die amtsärztliche Feststellung allein aus.
Was kostet eine DU-Versicherung mit echter DU-Klausel?
Die Kosten hängen von deinem Alter, Gesundheitszustand und der gewählten DU-Rente ab. Polizisten im Vollzugsdienst zahlen aufgrund des erhöhten Berufsrisikos mehr als Verwaltungsbeamte. Rechne mit ca. 50 bis 180 Euro monatlich (Stand 2026). Ein kostenloser Vergleich hilft dir, den besten Tarif zu finden.
Kann ich eine unechte DU-Klausel nachträglich in eine echte umwandeln?
In der Regel nicht innerhalb desselben Vertrags. Du müsstest einen neuen Vertrag mit echter DU-Klausel abschließen. Dabei solltest du darauf achten, dass du die alte Versicherung erst kündigst, wenn die neue Police wirksam ist – sonst stehst du ohne Schutz da. Lass dich hierzu individuell beraten.
Was bedeutet „72 Monate Leistungsdauer" bei der speziellen DU?
Wenn du als Beamter auf Probe oder Widerruf wegen spezieller Dienstunfähigkeit entlassen wirst, zahlen die besten Versicherer (Allianz, DBV, Signal Iduna, Die Bayerische) bis zu 72 Monate lang die vereinbarte DU-Rente, bevor sie eine eigene Nachprüfung durchführen dürfen. Diese lange Leistungszusage ist entscheidend, weil entlassene Dienstanfänger keine fortlaufenden Bezüge vom Staat erhalten.
Bin ich durch meine Gewerkschaft (GdP, DPolG) gegen Dienstunfähigkeit abgesichert?
Wie hoch sollte meine DU-Rente sein?
Als Polizeianwärter (BaW/BaP) erhältst du bei Entlassung vom Staat 0 EUR. Deshalb sollte deine DU-Rente mindestens 1.000–1.500 EUR netto betragen, um die staatliche Grundsicherung deutlich zu übersteigen und die Kosten des täglichen Lebens zu decken. Renten unter 600–700 EUR können im Leistungsfall voll auf Bürgergeld angerechnet werden und sind damit praktisch wertlos. Je früher du abschließt, desto günstiger ist der Beitrag für eine ausreichende Absicherung.
Gilt die echte DU-Klausel auch bei psychischen Erkrankungen?
Ja. Die echte DU-Klausel knüpft an die amtsärztliche Feststellung der Dienstunfähigkeit an – unabhängig von der Ursache. Ob körperliche Verletzung, chronische Erkrankung oder psychische Belastung: Wenn der Amtsarzt Dienstunfähigkeit feststellt, leistet der Versicherer mit echter DU-Klausel automatisch.
Was ist die Infektionsschutzklausel und welche Versicherer bieten sie an?
Die Infektionsschutzklausel greift, wenn die zuständige Gesundheitsbehörde nach §31 Bundesinfektionsschutzgesetz (BInfSchG) ein vollständiges Tätigkeitsverbot ausspricht und du dadurch voraussichtlich mindestens 6 Monate nicht arbeiten kannst – oder bereits 6 Monate ununterbrochen nicht gearbeitet hast. Die Allianz enthält diese Klausel ohne Mehrpreis im Standardtarif. Für Polizisten im Streifendienst ist das nicht unwichtig: Ein behördliches Tätigkeitsverbot etwa nach Tuberkulose-Kontakt kann schneller eintreten als man denkt.
Was passiert bei der Allianz, wenn meine Dienstunfähigkeit durch einen Dienstunfall verursacht wurde?
Das ist ein entscheidender Vorteil der Allianz für Polizeianwärter: Wird ein Beamter auf Widerruf oder Probe wegen spezieller Polizeidienstunfähigkeit entlassen, ist die Rentenzahlung grundsätzlich auf maximal 72 Monate befristet. Diese Befristung entfällt jedoch vollständig, wenn die Dienstunfähigkeit auf einen Dienstunfall (§31 Beamtenversorgungsgesetz) oder eine Dienstbeschädigung zurückgeht – und solange ein staatlicher Unterhaltsbeitrag oder Unfallruhegehalt bezogen wird. In diesem Fall zahlt die Allianz zeitlich unbegrenzt. Das ist bei der Polizei besonders relevant, da Dienstunfälle im Einsatz keine Seltenheit sind.