Jetzt anrufen: 02641 205445

Dienstgrade bei der Polizei

Die Dienstgrade der deutschen Polizei zeigen Laufbahn, Funktion und Erfahrung eines Beamten auf einen Blick. Dieser Artikel erklärt die gesamte Hierarchie – vom Polizeianwärter bis zum Polizeipräsidenten – mit den zugehörigen Besoldungsgruppen und Beförderungsvoraussetzungen.

Das Wichtigste in Kürze

3 Laufbahngruppen

Die Polizei kennt mittleren, gehobenen und höheren Dienst. Jede Gruppe hat eigene Eingangsvoraussetzungen und Dienstgrade. Der mittlere Dienst wird in vielen Ländern abgebaut.

Besoldung A7 bis A16 + B

Die Besoldungsgruppen der Vollzugslaufbahn reichen von A6 (Polizeimeister) bis A16 (Leitender Polizeidirektor).

Beförderung nach Beurteilung und Stelle

Beförderungen setzen freie Planstellen und eine überdurchschnittliche dienstliche Beurteilung voraus. Es gibt keine automatischen Beförderungen ohne Stellenverfügbarkeit.

Dienstgrade unterscheiden sich zwischen Ländern

Die genauen Bezeichnungen variieren. Bayern hat z. B. andere Bezeichnungen als NRW oder die Bundespolizei. Die Grundstruktur ist aber bundesweit ähnlich.

KriPo: Andere Bezeichnungen, gleiche Struktur

Kriminalbeamte haben eigene Bezeichnungen (Kriminalmeister, Kriminalkommissar usw.), folgen aber denselben Laufbahngruppen und Besoldungsstufen.

Aufstieg möglich

Mit entsprechender Qualifikation und Leistung ist ein Aufstieg in höhere Laufbahnen möglich – z. B. vom mittleren in den gehobenen Dienst über einen Studienaufstieg.

3

Laufbahngruppen (mittlerer, gehobener, höherer Dienst)

A7–A16

Besoldungsgruppen im Polizeivollzug

18

Dienstherren mit teils eigenen Dienstgradbezeichnungen

Mittlerer Dienst: Dienstgrade und Besoldung

Dienstgrad (Schutzpolizei)
Besoldungs­gruppe
Funktion / Anmerkung
Polizeimeisteranwärter
A6/A7
Polizisten auf Widerruf
Polizeimeister
A6/A7
Einstiegsstufe mittlerer Dienst
Polizeiobermeister
A7/A8
Regelbeförderung nach Ausbildung (mittlerer Dienst)
Polizeihauptmeister
A8/A9
Nach mehrjähriger Dienstzeit
Mittlerer Dienst wird bundesweit zurückgebaut

Länder wie NRW, Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen und andere setzen mittlerweile auf den direkten Einstieg im gehobenen Dienst (3-jähriges Bachelor-Studium). Der mittlere Dienst wird in diesen Ländern nicht mehr neu ausgeschrieben.

Gehobener Dienst: Dienstgrade und Besoldung

Dienstgrad (Schutzpolizei)
Dienstgrad (Kriminalpolizei)
Besoldungsgruppe
Funktion / Anmerkung
Polizeikommissar­anwärter
Kriminalkommissaranwärter
A9
Polizisten auf Widerruf
Polizeikommissar
Kriminalkommissar
A9
Einstieg nach Bachelor-Studium, Einzelbeamter im Streifendienst
Polizeioberkommissar
Kriminaloberkommissar
A10
Nach ca. 2–3 Jahren, erste Beförderungsstufe
Polizeihauptkommissar
Kriminalhauptkommissar
A11/A12
Erfahrene Beamte, oft mit Gruppen-/Truppführer­aufgaben
Erster Polizeihauptkommissar
-
A13
Herausgehobene Funktion, z. B. Sachbearbeitung, Fachspezialisten

Höherer Dienst: Dienstgrade und Besoldung

Der höhere Polizeidienst erfordert ein Masterstudium (z. B. an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster) und eine erfolgreiche Führungskräfteauswahl. Nur ein kleiner Teil der Polizeibeamten erreicht diese Ebene.

Dienstgrad
Besoldungsgruppe
Funktion
Polizeirat / Kriminalrat
A13/A14
Führungskraft, Referatsleitung, Abteilungsleitung (Einstieg)
Polizeioberrat / Kriminaloberrat
A14
Herausgehobene Leitungsfunktion
Polizeidirektor
A15
Leitung von Inspektionen, größeren Abteilungen
Leitender Polizeidirektor
A16
Leitung von Polizeidirektionen, Abteilungen im Ministerium
Abweichungen je nach Bundesland

Bayern verwendet z. B. den Begriff „Polizeiwachtmeister“ statt „Polizeimeister“ für die Einstiegsstufen. Die Bundespolizei hat eigene Dienstgradbezeichnungen. Die Grundstruktur (drei Laufbahngruppen, Aufstieg A7–A16) ist jedoch bundesweit vergleichbar.

Kriminalpolizei: Die eigenen Dienstgrade

Kriminalbeamte führen parallel zu den Schutzpolizisten eigene Bezeichnungen, sind aber denselben Besoldungsgruppen zugeordnet. Der Wechsel von der Schutzpolizei zur Kriminalpolizei ist in der Regel nach einer Mindestdienstzeit möglich und setzt eine interne Ausschreibung voraus.

ℹ️ Wichtiger Unterschied

Kriminalbeamte sind keine eigenständige Laufbahn, sondern eine Verwendung innerhalb der gleichen Laufbahnstruktur. Ein Polizeikommissar (A9) kann als Kriminalkommissar (A9) in der KriPo eingesetzt sein – die Besoldung ist identisch, nur die Bezeichnung ändert sich.

Beförderung: Wie läuft das ab?

Beförderungen in der Polizei folgen bestimmten Regeln:

  1. Freie Planstelle: Es muss eine Stelle in der Zielbesoldungsgruppe vorhanden sein
  2. Dienstliche Beurteilung nach Leistungsprinzip: Deine dienstliche Beurteilung muss im Vergleich zu den Mitbewerbern überdurchschnittlich gut sein (Bestenauslese nach Art. 33 Abs. 2 GG)
  3. Mindestwartezeit: Je nach Bundesland 2–4 Jahre in der aktuellen Besoldungsgruppe
  4. Beförderungsrangliste: Innerhalb einer Behörde wird nach Beurteilung und Dienstalter gereiht
  5. Leistungsorientiert: Bei gleicher Beurteilung entscheiden Zusatzqualifikationen oder Dienstalter
Tipp für Aufstieg in höhere Laufbahn

Wenn du vom mittleren in den gehobenen Dienst aufsteigen möchtest, gibt es in vielen Ländern den sogenannten „Aufstieg für Beamte des mittleren Dienstes“. Voraussetzung ist in der Regel ein Auswahlverfahren und ein Studium an der FH Polizei. Informiere dich bei deiner Behörde über die aktuellen Anforderungen in deinem Bundesland.

Häufige Fragen zu Dienstgraden bei der Polizei

Welcher Dienstgrad ist nach dem Bachelor-Studium der Einstieg?

Nach dem dreijährigen Bachelor-Studium an der Fachhochschule der Polizei startest du als Polizeikommissar in der Besoldungsgruppe A9. In einigen Ländern wirst du direkt nach der Ausbildung in die erste Erfahrungsstufe eingruppiert, in anderen mit Anrechnung von Vordienstzeiten höher eingestuft.

Ja, aber der Weg ist anspruchsvoll. Vom gehobenen in den höheren Dienst gelangst du über ein Masterstudium (z. B. an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster) und ein Auswahlverfahren. Die meisten Bundesländer haben eigene Aufstiegsprogramme. In der Praxis schaffen es nur ein kleiner Prozentsatz der Beamten in den höheren Dienst.

„Mit Zulage“ (m.Z.) bedeutet, dass der Beamte in einer höherwertigen Funktion eingesetzt ist und dafür eine Funktionszulage erhält, ohne formal in die nächste Besoldungsgruppe befördert zu sein. Ein Polizeihauptmeister A8 „mit Zulage“ erhält eine Zulage, die sein Gehalt auf A9-Niveau anhebt, ist aber formell noch in A8 eingruppiert.

Die Schulterklappen und Abzeichen variieren nach Bundesland und sind nicht bundesweit einheitlich. Gemeinsame Merkmale: Mehr Sterne und Balken = höherer Dienstgrad. Goldene vs. silberne Elemente unterscheiden gehobenen und höheren Dienst. Die genaue Ausgestaltung findest du in der jeweiligen Dienstkleidungsordnung deines Dienstherrn.

Ja, pensionierte Beamte dürfen ihren Dienstgrad weiterführen – mit dem Zusatz „a.D.“ (außer Dienst). Ein pensionierter Polizeihauptkommissar heißt also „Polizeihauptkommissar a.D.“. Das ist rechtlich geregelt und weit verbreitet.
 

Informiere dich zu weiteren Themen