Das Wichtigste in Kürze
1 Mio. Euro Gesamtdeckung; 250.000 Euro für Sach- und Vermögensschäden (Stand: ab Juli 2025).
20 Mio. Euro Gesamtdeckung; 1 Mio. Euro für Regressansprüche des Dienstherrn.
Privater Waffengebrauch, Dienstwaffe zu Hause, außerdienstliche Handlungen – oft nicht oder nicht ausreichend abgedeckt.
Gewerkschaftsschutz prüfen und ggf. mit einer eigenständigen Diensthaftpflicht kombinieren oder ergänzen.
GdP- oder DPolG-Mitglied zu sein lohnt sich aus vielen Gründen – und ein Vorteil ist die im Mitgliedsbeitrag enthaltene kostenlose Diensthaftpflichtversicherung. Aber: Reicht diese Deckung wirklich aus? Wir schauen uns an, was die Gewerkschaftsversicherungen tatsächlich leisten und wo die Lücken liegen.
Was ist eine Diensthaftpflichtversicherung?
Polizisten können im Dienst Schäden verursachen – und dafür haftet in erster Linie der Dienstherr (Amtshaftung). Allerdings kann der Dienstherr bei grob fahrlässigem Handeln in Regress gehen und den Polizisten persönlich haftbar machen. Genau dagegen schützt die Diensthaftpflichtversicherung: Sie übernimmt Regressforderungen des Dienstherrn sowie Haftungsansprüche Dritter.
Deckungsumfang der Gewerkschaften 2026
Gewerkschaft | Gesamtdeckung | Sachschäden / Regress | Besonderheiten |
GdP (Bundesebene) | 10.000.000 Euro | 250.000 Euro | Inkl. Dienstwaffe, Hund, Pferd, Boot, Drohnen |
DPolG NRW | 20.000.000 Euro | 1.000.000 Euro Regress | Höhere Deckungssumme regional |
DPolG Niedersachsen | 10.000.000 Euro | Regress inkl. Schusswaffengebrauch | Diensthund, Dienstpferd eingeschlossen |
BDK (Bund Dt. Kriminalbeamter) | Variiert | Variiert nach Bundesland | Separate Konditionen je Landesverband |
Regional sehr unterschiedlich!
Die Deckungssummen variieren je nach Gewerkschaft, Landesverband und Mitgliedschaftsart erheblich. Die hier genannten Werte sind Richtwerte (Stand 2025/2026). Prüfe die aktuellen Bedingungen direkt bei deiner Gewerkschaft und vergleiche die geltenden Bedingungen für deinen Landesverband.
Typische Deckungslücken der Gewerkschaftsversicherungen
250k
GdP Sachschaden-Limit – bei schweren Unfällen schnell erschöpft
1 Mio.
GdP Gesamtdeckung – reicht für die meisten Fälle
0 €
Abdeckung bei grob fahrlässigem / vorsätzlichem Handeln – keine Versicherung zahlt
Die häufigsten Lücken im Detail
- Dienstwaffe zuhause: Der Deckungsbereich der Gewerkschaftsversicherung endet oft, wenn die Waffe nicht im Dienst geführt wird. Prüfe, ob privater Waffengebrauch explizit eingeschlossen ist.
- Außerdienstliche Schäden: Handlungen außerhalb des Dienstes (z. B. Einschreiten als Zivilperson) sind oft nicht oder nur eingeschränkt abgedeckt.
- Personenschäden mit hoher Summe: Bei schweren Personenschäden können 1 Million Euro Gesamtdeckung nicht ausreichen – gerade bei Dauerschäden mit lebenslangen Rentenzahlungen.
- Vermögensschäden: Finanzielle Schäden ohne direkten Sach- oder Personenbezug sind oft gesondert und mit niedrigerer Deckung oder gar nicht eingeschlossen.
- Eigene Fahrzeuge / Privatfahrten im Dienst: Schäden beim Einsatz des privaten Fahrzeugs im Auftrag des Dienstherrn erfordern genaue Prüfung.
Gewerkschaftsschutz vs. eigenständige Diensthaftpflicht: Was ist sinnvoller?
Gewerkschaftsschutz nutzen
- Im Mitgliedsbeitrag enthalten (kein Zusatzkosten)
- Basisschutz für Standardfälle meist ausreichend
- Einfache Abwicklung über Gewerkschaft
- Oft auch Rechtsschutz enthalten
- Deckungssummen je nach Gewerkschaft niedrig
- Lücken bei privater Nutzung der Dienstwaffe
- Außerdienstliches Einschreiten oft unklar
- Bedingungen regional sehr unterschiedlich
Empfehlung: Prüfen und ggf. ergänzen
Der kostenlose Gewerkschaftsschutz ist ein guter Basisschutz. Lies die aktuellen Bedingungen deines Landesverbandes genau durch – besonders wenn du die Dienstwaffe zuhause aufbewahrst, ein Diensthund führst oder regelmäßig außerdienstlich einschreitest. In diesen Fällen ist eine eigenständige Diensthaftpflichtversicherung oft sinnvoll.
Worauf du bei einer eigenständigen Diensthaftpflicht achten solltest
- Deckungssumme: Mindestens 3 Millionen Euro Gesamtdeckung empfohlen
- Schusswaffengebrauch: Explizit einschließen lassen
- Dienstwaffe zuhause: Besitz und Gebrauch abdecken
- Außerdienstliches Einschreiten: Klausel für Nothilfeeinsätze als Zivilperson
- Dienstfahrzeuge und Privatfahrzeuge im Dienst: Regelung prüfen
- Diensthund, Dienstpferd, Drohnen: Falls relevant, einschließen
Häufige Fragen (FAQ)
Kann ich den Gewerkschaftsschutz und eine eigenständige Diensthaftpflicht gleichzeitig haben?
Ja. Beide schließen sich nicht aus. Im Schadensfall regelt die Subsidiaritätsklausel, welche Versicherung zuerst zahlt. Prüfe aber, dass keine unnötigen Doppelversicherungen entstehen – das verschwendet nur Beiträge.
Was passiert, wenn ich außerhalb des Dienstes als Polizist eingreife?
Das ist einer der häufigsten Problemfälle. Ob der Gewerkschaftsschutz greift, hängt von den genauen Bedingungen deines Landesverbandes ab. Eigenständige Diensthaftpflicht-Tarife bieten hier oft explizit eine Klausel für außerdienstliches Einschreiten.
Wie hoch sollte die Deckungssumme mindestens sein?
Bei Personenschäden mit Dauerfolgen (z. B. Querschnittslähmung) können Lebenslang-Renten entstehen, die schnell mehrere Millionen Euro übersteigen. Experten empfehlen mindestens 3 Millionen Euro Gesamtdeckung – besser 5 oder mehr.
Zahlt die Gewerkschaft auch, wenn der Dienstherr in Regress geht?
Das ist der Kernfall der Diensthaftpflicht: Sie schützt dich vor Regressforderungen deines Dienstherrn – also wenn du durch grobe Fahrlässigkeit im Dienst einen Schaden verursacht hast und der Dienstherr das Geld von dir zurückfordert. Prüfe, bis zu welcher Summe das gilt.
Was kostet eine eigenständige Diensthaftpflicht für Polizisten?
Die Beiträge liegen in der Regel zwischen 5 und 15 Euro pro Monat – je nach Deckungssumme, Anbieter und eingeschlossenen Zusatzleistungen. Das ist im Vergleich zum möglichen Schadensrisiko sehr günstig.
Diensthaftpflicht vergleichen und Lücken schließen?
Wir prüfen kostenlos, ob der Schutz deiner Gewerkschaft ausreicht – und zeigen dir, wenn nicht, welche Ergänzung sinnvoll ist.